Der Lahnpark

Entwicklungskonzept Lahnaue

Natur

Schutz & landschaftsgerechte Entwicklung

Was ist schützenswert?

Die Lahnaue ist ein überregional bedeutender Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten. Geformt wurde die heutige Auenlandschaft durch jahrhundertelange Landnutzung und durch den neuzeitlichen Kiesabbau. Ihre Landschaft ist heute geprägt durch ein Mosaik von Abgrabungsgewässern, ausgedehnten Wiesenflächen und kleineren Auwaldresten, welche zum Großteil als Landschafts- oder als Naturschutzgebiet ausgewiesen sind. Bauliche Maßnahmen, aber auch Aktivitäten wie z. B. Zelten, Reiten oder das Parken von Kraftfahrzeugen - außerhalb der dafür vorgesehenen Bereiche - sind nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde zulässig. Weite Teile des Lahnparks sind zudem europarechtlich als Fauna-Flora-Habitat Gebiete (FFH-Gebiet) und Vogelschutzgebiet ausgewiesen.

Tierwelt

In der Lahnaue wurden 250 Vogelarten nachgewiesen, hierzu zählen 90 Brutvogelarten. Besonders schützenswerte Arten, die weltweit vom Aussterben bedroht sind, wie der Wachtelkönig, der Kiebitz sowie verschiedene Enten- und Gänsearten haben hier ihr Refugium. Seit Kurzem brütet auch der Weißstorch wieder auf den aufgestellten Storchenhorsten. Während der Brutzeit können Sie das Storchennest über eine fest installierte Webcam  beobachten: http://www.sp11.de/storch/webcam.html. Auch seltene Amphibienarten wie der Kammmolch oder die Kreuzkröte haben ihren Lebensraum an den flachen wärmebegünstigten Teichen.
Die Lahnaue stellt einen einzigartigen Lebensraum sowie Brut- und Nahrungsstätte für gefährdete Tierarten dar. Daher bitten wir um rücksichtsvolles Verhalten in der Natur. Bitte verlassen Sie nicht die Wege, leinen Ihren Hund an, entsorgen Ihre Abfälle ordnungsgemäß und stören keine Wildtiere. Kanufahrer meiden bitte die sensible Natur in den Uferbereichen und benutzen nur die zum Anlegen vorgesehenen Ein- und Ausstiegsstellen und Rastplätze.

Pflanzenwelt

Die Pflanzenwelt in der Lahnaue hat einen ebenso hohen Stellenwert wie die Tierwelt. Zu den Erhaltungszielen des FFH-Gebietes gehören naturnahe Gewässer mit ihrer charakteristischen Vegetation und Verlandungszonen, Mäh-Wiesen und strukturreiche Offenlandschaften ebenso wie Auenwälder mit stehendem und liegendem Totholz, Höhlenbäumen und typischen Baumarten wie der Schwarz-Erle oder der Silberweide. Besondere Bedeutung haben beispielsweise nährstoffarme Wiesen mit Beständen des Großen Wiesenknopfs (Sanguisorba officinalis) und Kolonien der Wirtsameise Myrmica rubra, welche der Lebensraum des Schmetterlings „Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling“ (Maculinea nausithous) sind. Dieser Schmetterling ist durch seine spezialisierte Lebensweise zwingend an das Vorkommen des Wiesenknopfes als auch der Ameisengattung angewiesen.
Das Erhaltungs- und Entwicklungskonzept für die europäischen Schutzgebiete beinhaltet neben dem Bestandsschutz der ökologischen Bewirtschaftung der Wiesen und anderer Flächen auch Maßnahmen zur Verbesserung und Schaffung von Wanderkorridoren und somit zur Biotopvernetzung und Erhaltung der biologischen Vielfalt.

Naturschutzprojekte im Lahnpark

Der Lahnpark unterstützt die Erhaltungs- und Entwicklungsziele in den europäischen Schutzgebieten in enger Zusammenarbeit mit der beim Regierungspräsidium Gießen angesiedelten und zuständigen Oberen Naturschutzbehörde auf organisatorischer und planerischer Ebene sowie im konkreten Einzelfall durch direkte finanzielle und personelle Hilfe. Diese beginnt mit der Information und Lenkung der Besucher. Sie reicht von der Unterstützung von Wegesperrungen während der Brutzeit von Wiesenbrütern bis hin zu kleineren Naturschutzprojekten, wie dem Anlegen von Tümpeln und Bruthilfen sowie der Umsetzung großflächiger, kommunaler Kompensationsmaßnahmen in der Lahnaue. Fachliche Beratung bietet ein eigens dafür ins Leben gerufener „Arbeitskreis Naturschutz“, in welchem sich regelmäßig Vertreterinnen und Vertreter der Naturschutzverbände HGON, NABU, BUND und der Verein „Rettet die Lahnaue e. V." treffen.

Arbeitskreis Naturschutz

Seit Juli 2012 besteht der Arbeitskreis Naturschutz, der den Lahnpark bei wichtigen Anliegen berät und Projekte initiiert. Damit wurde auf die Anregungen und Kritik in Bezug auf das Integrierte Entwicklungskonzept reagiert. Dem Arbeitskreis gehörten zunächst vier Vertreter der Naturschutzverbände und vier Vertreter der beteiligten Kommunen an. Dem Engagement der Gründungsmitglieder Werner Blum („Rettet die Lahnaue“ e. V.), Rudolf Fippl (HGON), Hartmut Mai und Gerhard Robert Wiese (NABU) ist es zu verdanken, dass nicht nur zahlreiche – aus naturschutzfachlicher Sicht kritische - Projektideen aus dem Entwicklungskonzept überarbeitet bzw. gestrichen wurden, sondern dass heute eine enge und konstruktive Zusammenarbeit des Lahnparks mit den Naturschutzverbänden, die in der Lahnaue aktiv sind, selbstverständlich ist.
Somit sind der Schutz der Lahnaue und die naturlandschaftsgerechte Entwicklung des Lahnparks sichergestellt. Seit der Gründung des Arbeitskreises ist dieser um zwei weitere Vertreter(innen) der Naturschutzverbände – Matthias Korn (HGON) und Petra Krischke (BUND) – sowie um eine Vertreter(in) der Oberen Naturschutzbehörde gewachsen.
(Foto: Wetzlarer Neue Zeitung)